Heim + Bawrence of Aralia + NAP

HEIM

Eine Liebeserklärung unter Zuhilfenahme von akustischen Reizen und Rotwein„Gnnrrrzzzz… Peng… Fiiiiep…. Rrrrums… Bzzzzz….“, sagen die Songs von HEIM zu mir – und lächeln mich schelmisch an. Das tun sie irgendwie immer: Lächeln. Mal freudvoll und von Herzen, mal verkniffen und gequält. Aber es ist immerzu eine kämpferisch-positive „Mimik“, die man in diesen Liedern ausmachen kann. Zumindest ist das meine feste Überzeugung – oder besser: Das, was ich empfinde, wenn ich mir diese Band anhöre. Natürlich könnte man all dieses emotionale und poetisch-geschwollene Geschwafel auch einfach weglassen, wenn man einen Text wie diesen hier verfasst. Nein: Verfassen darf! Das wäre vielleicht erträglicher für Dich, mein lieber Freund, Rezensent, Veranstalter, Promo-Heini und Print- oder auch Online-Magazin-Mensch. Aber meine Emotions müssen ja schließlich auch irgendwo hin. Ich hoffe also, Sie sehen es mir nach.Denn es passt einfach viel zu viel, viel zu gut zusammen, was mich und meine kleine Liebesgeschichte mit dieser Süddeutschen Kapelle betrifft. Und zu viele Menschen, die ich selbst sehr schätze und für deren exquisiten Musikgeschmack ich mich jederzeit verbürgen würde, teilen meine Meinung bezüglich HEIM, was mich erst Recht dazu veranlasst, in keinster Weise an meiner eigenen Wahrnehmung dieser Band zu zweifeln: Die Aufnahmen zum ersten HEIM-Album „Palm Beach“ schickte mir ein lieber Freund aus Mannheim, Chris Bethge aus den RAMA-Studios, in den ich mich zuvor bereits verliebt hatte und der unter vielen anderen Dingen auch weiß, mit welchem Öl jemand wie Steve Albini seine Haare zum Glänzen bringt, wenn Sie wissen, was ich meine. Er schickte mirsofort nach Beendigung der Aufnahmen einen Link mit den Worten „Hör Dir das mal an. Du wirst es lieben – so wie ich.“ Und das tat ich. Kurz darauf durfte ich ein weiteres mal beim Glitterhouse-Feel-Good-Festival „Orange Blossom Special“ auftreten – und natürlich waren in diesem Jahr auch HEIM im Line-up zu finden. Denn Rembert Stiewe, der Oberspitzbube hinter all den schönen Klängen und den guten Gefühlen auf diesem Festival, weiß eben auch, was gut ist und wer gut zu ihm und seiner Ausnahmeveranstaltung passt. Schöner und prägnanter als er kann man das Schaffen dieser Band gar nicht in Worte fassen. Ich so: „HEIM?“ – und er so: „Geil!“.Nuff said. Beinahe zumindest. Denn um den informellen Charakter dieser Zeilen für Menschen, die HEIM noch nicht kennen, nicht gänzlich außer Acht zu lassen, muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass auch ich spontan natürlich an DINOSAUR JR und artverwandten, trotzig-schönen und vor Effekten und Mut zum lärmenden Ausbruch nur so berstenden Gitarren-Indierock erinnert war.Und doch: Da war von Anfang an mehr. Vielleicht sind es die resigniert bis wütend vorgetragenen, deutschsprachigen Texte, die einenobendrein noch auf eine andere Art und Weise für sich einnehmen, wenn man selbst in dieser Sprache spricht und textet. Oder es ist schlicht das Zusammenspiel dieser drei Sympathen als Menschen und ihrer Musik selbst; also dass man, wenn man so wie ich das Glück hatte, einmal drei bis 100 Biere mit den Jungs zu trinken und sich über Schönes oder auch Tragisches aus ihren Leben abseits der Bühne zu unterhalten, nicht umhin kommt zu spüren, wie echt all das ist, was man da in Sound kanalisiert auf der Bühne – oder auf den mittlerweile zwei exorbitant guten Platten der Band – zu hören bekommt. HEIM ist echt. Eigenwillig. Brachial. Betörend. Und wer außer mir kann das sonst schon von sich behaupten?

Bawrence of Aralia:
garage pop / art-pop / noise-pop / indie rock 
NAP
Heavy Psychedelic Rock
Wenn man sich gängiger Klischees bedienen möchte, ist hier mal wieder die Provinz schuld. Fern von hippen, urbanen Szenen entstehen vielleicht doch einfacher eigene Ansätze. Frei von „Szene-Polizisten“ verfolgt man eigene Ideen und Wege. Und wenn der Proberaum dann auch noch in der eigenen Wohnung – oder die Wohnung im Proberaum – ist, liegt auf der Hand, dass die Verstärker nie ausgestellt werden und die Jamsession zum Tagesablauf gehört, wie der Staubsauger und die Kaffeemaschine.
VILLA – Das Debut Album:
Nicht weiter erstaunlich, dass bei NAP diese Jam-Sessions Grundlage für die Band und ihre Songs sind. Das Debut-Album „Villa“  lässt die Brennstäbe einzelner Genres und Subgenres erhitzen und bedrohlich glühen. Die Kernschmelze des Heavy-Genres kommt als Vergleich auf.
Hier treffen groovende Psychedelic-Jam-Sessions auf schwerste Doom-Riffs. Instrumentaler Stoner-Rock wird  dramaturgisch in Szene gesetzt und voller Spielfreude zelebriert, bevor man sich in entspannte Soundgemälde plumpsen lässt, um kurz nach Luft zu schnappen. Vereinzelt schießen sogar Surf-Melodien und  twangySounds hervor, die ungewohnte Farbtupfer in das dunkel metallische Bild bringen. Vor allem läßt sich NAP jedoch immer wieder viel Zeit und es fällt auf, dass man oft gegen Ende der Songs mit mächtigen Vocals überrascht wird, die dem Ganzen die Krone aufsetzen.
Das kann frischen Wind in die verstaubte Wüste bringen. NAP reduziert sich keineswegs auf den Begriff „Retro“, sondern mischt ihn neu auf.

Weitere Infos folgen.

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